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Grenzwissenschaften, Nahtod-Forschung

Berichte diverser Autoren, erschienen in der Zeitschrift 'Wegbegleiter' Nr. 3/2005, S. 43-59.

Zum Tod der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross

Eine Würdigung der grossen Verdienste der verstorbenen Schweizer Sterbeforscherin für die Nahtodforschung und für die Verbesserung der Sterbebegleitung

Von T. Frey aus Beiträgen diverser Autoren


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Fotographie von Elisabeth Kübler-Ross

Elisabeth Kübler-Ross
Photo: FRENETIC


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Einleitung und Begriffsbestimmungen

Am 24. August 2004 ging die weltberühmte Schweizer Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross, die sich ein Leben lang mit den Tabuthemen Tod und Sterben beschäftigt und diese ins öffentliche Bewusstsein zurückgebracht hatte, nach langem Leiden im Alter von 78 Jahren in Arizona (USA) in die jenseitige Welt hinüber. Am Ende ihres äusserst tätigen Lebens wurde sie durch Krankheit und jahrelange Bettlägrigkeit auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Inzwischen hat sie selbst erfahren, was beim Sterben vor sich geht und was "drüben" auf sie wartete, hat Gewissheit über die Themen erlangt, welche sie zeitlebens so beschäftigt hatten.

Da ich selbst keines ihrer Bücher gelesen habe und auch mit der Nahtod-Forschung nur wenig vertraut bin, präsentiere ich nachfolgend zwei Artikel, die sich mit dem Leben und Wirken der Verstorbenen beschäftigen, sowie einen Artikel mit Kommentar, der allgemein auf die Nahtod-Forschung eingeht. Bei der Lektüre werden sie feststellen, dass E. K.-R. eine umstrittene Person war. Für ihre Nahtod-Forschung, den Schwerpunkt ihres späten Schaffens, erntete sie viel Kritik, sowohl von der Wissenschaft als auch aus christlichen Kreisen. Wen wundert's? Es war das erklärte Ziel von E. K.-R., mit dieser Forschung das Weiterleben nach dem Tode zu beweisen. Wer dies versucht, wird entweder angegriffen oder einfach totgeschwiegen.

Zunächst jedoch einige Begriffsbestimmungen und allgemeine Anmerkungen zum besseren Verständnis der nachfolgenden Artikel.

[Zitate Beginn ]

Spiritismus und Spiritualismus (Spiritualität)

Im deutschen Sprachgebrauch wird zwischen zwei Begriffen unterschieden, die ziemlich ähnlich klingen, nämlich zwischen "Spiritismus" und "Spiritualismus".
1. Mit "Spiritismus" ist die Lehre vom Fortleben des Menschen nach dem irdischen Tod gemeint, ohne dass dabei zunächst ein religiöser Bezug beachtet wird. Wenn also z. B. bei einem Versuch paranormal ein Tisch zum Schweben gebracht wird und man den Eindruck hat, dass jenseitige Wesenheiten die eigentlichen Verursacher sind, so ist das ein spiritistisches Phänomen.
2. "Spiritualismus" dagegen ist die Lehre vom persönlichen Überleben des irdischen Todes und der Bindung an Gott. Er ist die Lehre von der Herkunft und Bestimmung des Menschen und der Verantwortlichkeit für seine Handlungen gegenüber Gott. Er ist die Lehre vom Nachrichtenaustausch zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen der irdischen und der göttlichen Welt.

Im Sinne dieser Definition sind die sogenannten Offenbarungsreligionen, zu denen auch die Mosaische Religion und das Christentum gehören, ihrem Ursprung und Wesen nach spiritualistische Religionen, auch wenn sie den ursprünglichen Jenseitsverkehr jetzt nicht mehr ausüben. Zunächst sind aber die Lehren dieser Religionen durch Übermittlungen aus einer jenseitigen Welt an Menschen auf dieser Erde zustande gekommen. Auch Christus betont ja ausdrücklich (Joh. 12,49): „Denn ich habe nicht von mir selbst aus geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir Auftrag gegeben, was ich sagen und was ich reden soll, und ich weiss, dass sein Auftrag ewiges Leben bedeutet. Was ich also rede, das rede ich so, wie der Vater es mir gesagt hat.“
Wir haben es also, nüchtern gesprochen, mit einem Nachrichtenaustausch zwischen zwei Daseinsbereichen mittels medialer Durchgaben zu tun, wobei "medial" bedeutet, dass ein menschlicher Mittler mit besonderer Begabung eingeschaltet war. (Schiebeler 1 – 3)

Viele Christen und besonders Theologen gehen, wenn sie die Worte Geister oder Spiritismus hören, sofort in Angriffshaltung. Sie meinen, dass es sich dabei um die Befragung von Toten handele. Und die habe Gott bereits vor 3000 Jahren dem Mose und damit auch uns verboten (3. Mos. 20,6): „Wenn sich jemand an die Totengeister und Wahrsagegeister wendet und sich ihnen hingibt, so werde ich mein Angesicht gegen einen solchen Menschen kehren und ihn aus der Mitte seines Volkes ausrotten.“
Diese Christen wissen nicht, dass mit den Totengeistern die sog. geistig Toten, die gottfeindlichen Geistwesen gemeint sind. Mit denen soll man allerdings keine Verbindung aufnehmen, wie es die Satanisten damals und heute tun. Das Verbot betrifft aber keineswegs die Verbindungsaufnahme mit Gottes guter Geisterwelt. (Schiebeler 2 – 11)

Die Geisterwelt Gottes ist in den christlichen Kirchen schon seit 1600 Jahren ausgeschaltet. Die Leiter der Kirchen haben den "heiligen Geist ausgelöscht". Wo aber die Geister Gottes haben weichen müssen, da stellen sich andere Geister ein, von denen Paulus an Timotheus schreibt: „Der Geist Gottes aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom rechten Glauben abfallen werden, indem sie sich irreführenden Geistern und Lehren zuwenden, die von Dämonen stammen.“ [l. Tim. 4,1.]
So drangen denn seit der Zeit, wo man auf die Verbindung mit der Geisterwelt Gottes als den einzigen Weg zur Wahrheit verzichtete, die mannigfachsten und folgenschwersten Irrtümer in das Christentum ein. Von Jahrhundert zu Jahrhundert wurde es schlimmer. Eine Wahrheit nach der anderen wurde vom Irrtum verseucht und ungeniessbar gemacht. Und was war die Folge? – Heute stehen wir vor einem hundertfältig gespaltenen Christentum, vor zahllosen Religionsgemeinschaften, die alle etwas anderes als Wahrheit verkünden, und von denen jede ihr Glaubensbekenntnis als die wahre Lehre Christi ausgibt. Und da wundern wir uns noch, dass ein so verfälschtes und zerrissenes Christentum keinen Einfluss mehr auf die Menschheit ausübt? Gebt dem Volke das Christentum der ersten Christen wieder! ...
Die katholische Kirche sucht die Zersplitterung in so viele christliche "Sekten", wie sie es nennt, damit zu erklären, dass alle anderen christlichen Gemeinschaften von ihr als der allein wahren und seligmachenden Kirche abgewichen seien. Aber gerade sie war es, welche die Geisterwelt Gottes aus dem Christentum vertrieb. Sie war es, die im Bunde mit der weltlichen Macht jeden vernichtete, der etwas anders glaubte, als das Papsttum ihm vorschrieb. Das Blut von Hunderttausenden ist geflossen im Namen des katholischen Christentums. (Greber 2 – 19)

Channeling

Unter Channeling ist die Kommunikation mit Geistwesen aus anderen Zeiten oder anderen Dimensionen zu verstehen. (Mann – 130)

In vielen grossen Religionen und Sekten sind gechannelte Botschaften von zentralem Stellenwert. Mohammed gilt als Übermittler des von Allah formulierten Korans; die Visionen von George Fox wurden zur Grundlage des Glaubens der Quäker; und Joseph Smiths Kontakt mit dem Engel Moroni hatte das Buch Mormons zur Folge. Als ein weiteres Beispiel könnte die Offenbarung des Johannes genannt werden. (Mann – 132)

Woher, glaubt ihr, könnt ihr die Wahrheiten der geistigen Dimension erfahren? - Ihr habt Kunde davon durch jene Wesenheiten, die in ihr leben. Der Erdenmensch vermag darüber keine Auskunft zu geben, da er hierüber kein eigenes Wissen hat. Das ist eine entscheidende Feststellung. Kein Erdenmensch kann aus sich heraus berichten, was in jenen Sphären des Geistes oder in den Regionen anderer Sterne existiert.
Doch die Terra [die Erde] ist von diesen beiden Bereichen nicht abgesondert. Was der Mensch nicht aus eigener Anschauung erfahren kann, wird ihm durch die Bewohner jener Bereiche übermittelt.
Leider ist die Erdenmenschheit bisher für de artige Offenbarungen nicht voll aufnahmefähig gewesen. Ahastar Heft 6 – 30)

[Zitate Ende ]

Zitiert aus dem Buch "Wo ist die Oma jetzt?" von Bernt Högsdal, UNICON-Verlag, 2003, ISBN 3-00-011822-5, Website: www.unicon-verlag.de
Siehe auch Buchbesprechung in WB 2/2005, S. 63

Es folgen nun die Artikel über E. K.-R. und die Nahtodforschung.


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Mit dem Tod auf Du und Du

Von den Journalisten Hans-Jürg Zinsli und Christoph Bopp, aus der Zeitung AZ (CH) vom 26.8.2004

Dass das mit dem Sterben keine einfache Sache ist, musste auch Elisabeth Kübler-Ross am eigenen Leib erfahren. Sie, die so vielen Menschen geholfen hatte, im Angesicht des Todes loszulassen, konnte nach mehreren Schlaganfällen 1995 selber nur schwer loslassen. In Stefan Haupts Dokumentarfilm "Elisabeth Kübler-Ross – Dem Tod ins Gesicht sehen" (2002) ist dies eine der bewegendsten Szenen. Freimütig gibt die ans Bett bzw. den Lehnstuhl gefesselte Sterbeforscherin zu, dass ihr nun die schwierigsten Lektionen bevorstünden: Selbstliebe, Unterordnung, Akzeptanz. Sie müsse lernen aufzugeben, doch das falle ihr schwer. Denn: „Eine Schweizerin gibt nicht gerne auf.“

Tatsächlich figurierte "aufgeben" lange nicht im Wortschatz der Elisabeth Kübler-Ross. Durch Zähigkeit hatte sie sich bereits von Geburt an ausgezeichnet. Als knapp zwei Pfund schweres Drillingskind war sie am 8. Juli 1926 in Zürich zur Welt gekommen und besass nur geringe Lebensaussichten. Doch Elisabeth und ihre Schwestern überlebten und wurden bald als "die Küblers" zum Stadtgespräch.

Wagenladungen voller Kinderschuhe

Elisabeth engagierte sich bereits mit 19 Jahren bei freiwilligen Hilfseinsätzen im kriegszerstörten Ausland. Dabei sah sie unter anderem das Konzentrationslager Majdanek – mit bleibenden Folgen. Im Dokumentarfilm sagt sie: „Wenn man Wagenladungen voller Kinderschuhe sieht, von ermordeten Kindern, und ganze Wagenladungen voll Frauenhaar, dann erlebt man etwas, das einen das ganze Leben berührt und verändert.“ Entgegen dem Willen ihrer Eltern studierte sie danach Medizin und wanderte mit ihrem Ehemann, dem amerikanischen Arzt Emanuel Ross, 1958 in die USA aus.

Sie spezialisierte sich auf Psychiatrie und wirkte ab 1962 als Dozentin in Denver, ab 1965 als Professorin in Chicago. Während der Arbeit in verschiedenen Krankenhäusern stiess sie auf das Arbeitsfeld, das sie fortan beschäftigen sollte: Den Umgang mit Todkranken, darunter vielen Kindern. Mit dem Buch "On Death and Dying" ("Interviews mit Sterbenden") sorgte sie 1969 nicht nur in der medizinischen Welt für Aufruhr, sondern stiess auch auf enorme internationale Resonanz.

Die fünf Stadien des Sterbens

Im diesem Buch beschreibt Kübler-Ross die fünf Stadien, welche Sterbende durchlaufen: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Die Heilkunst, die damals noch dem Nimbus der potenziell ewigen Lebensverlängerung huldigte, war auf normalsterbliches Terrain zurückgeholt worden.

Kübler-Ross schrieb über 20 weitere Bücher, hielt Vorlesungen und Workshops quer über den Globus und war massgeblich an der Gründung von Sterbehospizen beteiligt. Der Lohn der unermüdlichen Arbeit waren u. a. über 20 Ehrendoktor-Titel. Doch der Erfolg hatte auch seinen Preis. Die Ehe mit Emanuel Ross zerbrach. Bald jedoch spaltete die Sterbeforscherin ihre Anhängerschaft vor allem durch die intensive Beschäftigung mit Nahtod-Erfahrungen, darunter fragwürdigen Channeling-Sessions und Kontaktaufnahmen mit Geistführern und Geistwesen. In den 80er-Jahren schlug ihr in den USA gar ein Klima purer Feindseligkeit entgegen. Ein Hospiz für aidskranke Kinder, das sie 1984 neben ihrer Farm in Virginia errichtete, stiess auf erbitterten Widerstand der Bevölkerung und wurde schliesslich unter ungeklärten Umständen ein Raub der Flammen. Danach zog die Ungeliebte in ein abgelegenes Haus in der Wüste Arizonas, wo sie zurückgezogen lebte.

Über eine Viertelmillion Kinoeintritte

Stefan Haupts Film "Elisabeth Kübler-Ross" (2003) verschwieg die Rückschläge und Krisen in der Biografie der umstrittenen Sterbeforscherin nicht. Bis heute (August 2004) verbuchte der Film über eine Viertelmillion Eintritte, über die Hälfte davon in Deutschland; ein quasi bildlicher Beweis dafür, dass Elisabeth Kübler-Ross' Name bis heute in aller Munde geblieben ist.

Nachfolgend einige Zitate aus dem Film:

„Ich habe als Ärztin an einer grossen Universitätsklinik gearbeitet und mir ist aufgefallen, dass Leute, die schwer krank und am Sterben sind, furchtbar einsam sind. Ich habe diese Leute besucht und mit ihnen geredet und gemerkt, dass die Leute wissen, wann sie sterben, und es sehr nötig haben, mit einem Menschen darüber zu reden. Und so habe ich angefangen, mich mit diesen Menschen abzugeben und habe festgestellt, dass das gar nicht so schwierig und so traurig ist, wie die meisten Leute meinen.“

„Wenn man in der medizinischen Ausbildung ausschliesslich lernt, Menschen zu heilen, zu behandeln und ihr Leben zu verlängern, und überhaupt keine Hilfe bekommt, wie man mit sterbenden Patienten umgehen soll, ist es ganz natürlich, dass man sich beim Sterben eines Patienten wie ein Versager fühlt und unbedingt etwas unternehmen will. Wenn wir jedoch merken, dass wir nicht primär da sind, um Leben um jeden Preis zu verlängern, sondern dass wir den Patienten vielmehr helfen sollen, so ganzheitlich wie möglich ein bedeutungsvolles Leben zu führen, dann verändert sich ihre ganze Einstellung gegenüber dem Arztberuf.“

„Zuerst habe ich nur mit sterbenden Erwachsenen gearbeitet. Dann merkte ich, dass überhaupt niemand mit sterbenden Kindern sprach. Da hat mir C. G. Jung sehr viel geholfen. Ohne ihn und seine Erkenntnisse hätte ich das nie machen können. Er hatte den Leuten schon viel früher gelehrt, dass all das Wissen der Kinder in ihren Zeichnungen zu finden ist. (...) Ich konnte mit den Kindern über ihre Zeichnungen reden und musste nicht abstrakt mit ihnen über das Sterben reden. Ich sagte: ‚Da kannst du nicht mehr richtig gehen, du hast ja ein Holzbein.' – ‚Ja, ja, das kommt dann bald.' – Die Kinder sprachen über das Holzbein und später über den Himmel, die Sterne und die Engel, die ihnen helfen, mit einem Holzbein zu gehen. Herrlich, wahnsinnig intelligent, die haben innerlich ein irrsinniges Wissen. Und diese Kinder wurden dann meine nächsten Lehrer.“

Kritische Gedanken des Journalisten Christoph Bopp

Gewisse Fragen sind wie Spiegel. Sie lassen das Licht direkt zurückfallen. "Was ist eigentlich der Tod?" ist eine solche Frage. Wer sie zu beantworten versucht, wird unweigerlich darauf zurückgeworfen, sich die Frage zu stellen, welchen Sinn, welchen Wert er dem Leben zu geben bereit ist. Und zwar dem eigenen und nur ihm.

Der Philosoph Martin Heidegger hat in seinem berühmten Werk "Sein und Zeit" (1923) eindrücklich darauf hingewiesen, dass wir das Leben wohl nicht recht verstehen können, wenn wir den Tod nicht bedenken. Das rührt an gewisse Widerstände. Das Thema des Todes war – und ist es wohl noch – das Tabuthema schlechthin. Über den Tod redet man nicht. Und das nicht nur, weil es sehr schwierig ist, etwas über ihn zu sagen. Sondern auch, weil es wirklich schwierig ist, darüber zu sprechen. Und weil wir nicht darüber nachdenken wollten und nicht miteinander darüber reden wollten, haben wir es auch den Menschen gegenüber, die am Sterben sind, an Sensibilität und Mitgefühl fehlen lassen. Elisabeth Kübler-Ross hat das in Amerikas Spitälern fast schmerzhaft erfahren müssen. Bei uns war es aber wohl auch nicht anders.

Und das bleibt wohl unbestritten das grosse Verdienst von Elisabeth Kübler-Ross. „Sie hat am Tabu des Todes gekratzt“, sagt der Berliner Soziologe Hubert Knoblauch. Er hat sich mit Nahtoderfahrungen wissenschaftlich beschäftigt ("Berichte aus dem Jenseits. Mythos und Realität der Nahtoderfahrung". Freiburg 1999). „Als ich Ende der 80er-Jahre begonnen habe, das Thema wissenschaftlich zu bearbeiten, empfand man das als mindestens ungewöhnlich, gar als morbid.“

Als Wissenschaftler spricht Knoblauch von der "Ambivalenz", die für ihn von Kübler-Ross' Werk ausgeht. „Ihre Forschung war wissenschaftlich gewiss nicht unbedenklich, aber sie machte das Thema "Tod" wieder verhandelbar, gab es der Wissenschaft zurück. Gleichzeitig gab sie aber dem Thema einen Dreh, welcher einer strengen Auffassung von Wissenschaft zuwiderlaufen muss. Sie wollte in ihrer Forschung Wissenschaft und Glaube verbinden. Das heisst, ihr Ziel war es, ausdrücklich zu beweisen, dass danach noch etwas kommt.“

Als Soziologe muss man ihren Umgang mit den Berichten, den Daten, kritisch betrachten. "Subjektiv" sei ihr Umgang mit dem Material gewesen, oft von Wunschdenken geleitet. Ihre Idee, dass sich aus diesen Berichten etwas herausdestillieren lasse, das "generalisierbar", verallgemeinerbar sei, lässt sich nicht halten. „Ganz im Gegensatz zum Glauben an die Standarderfahrung zeichnen sich die tatsächlichen Nahtoderfahrungen nämlich dadurch aus, dass keine der andern gleicht“, schreibt Knoblauch in seinem lesenswerten Text im Band zur Ausstellung "Last Minute", die das Stapferhaus Lenzburg 1999 zeigte (Verlag hier + jetzt, Baden (CH) 1999).

Was lehrt die Wissenschaft? In der Erfahrung des Todes wird reflektiert, wie man das Leben "erlebt". Im Mittelalter begegneten die Mönche und Bauern im Jenseits noch ihren Gemeinschaften. Heute ist die Jenseitserfahrung individualisiert. Wenn noch Leute auftreten, sind es Verwandte, Freunde, die Lieben – bestenfalls. Dass viele Berichte nur vom Licht, unbeschreiblichem Glück oder der Abwesenheit von Schmerz reden, sollte uns zu denken geben. Sind wir auch "dort" lieber allein?

Bücher von Elisabeth Kübler-Ross

"Jedes Ende ist ein strahlender Beginn", Silberschnur 1992.
"Sehnsucht nach Hause", Silberschnur 1997.
"Warum wir hier sind", Silberschnur 1999.
"Sterben lernen, Leben lernen", Silberschnur 1999.
"Verstehen, was Sterbende sagen wollen", Droemer Knaur 2000.
"Das Rad des Lebens", Droemer Knaur 2000.
"Befreiung aus der Angst", Droemer Knaur 2001.
"Interviews mit Sterbenden", Droemer Knaur 2001.
"Über den Tod und das Leben danach", Silberschnur 2002.
"Geborgen im Leben", Droemer Knaur 2003.
"Was können wir noch tun?", Droemer Knaur 2003.
"Erfülltes Leben, würdiges Sterben", Gütersloher Verlagshaus 2004.


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Tanz ins Dunkle

Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross beschönigte den Tod, ohne ihm die Macht nehmen zu können.

Von Rolf Höneisen, aus der Zeitschrift factum 7/2004

Sie traf auf Menschen im Endstadium, „die um Ruhe, Frieden und Würde baten, aber Infusionen, Transfusionen und Herzmaschinen erhielten“. Die Tatsache, dass sterbende Menschen vom medizinischen Personal gemieden und über ihren tatsächlichen Zustand im Unklaren gelassen wurden, liess ihr keine Ruhe.
Elisabeth Kübler-Ross handelte. Die junge Ärztin hatte den Mut, sich neben die Sterbenden zu setzen und ihnen zuzuhören. Sie fragte sie, was und woran sie dachten, welche Gefühle sie angesichts des Todes hatten. In Vorlesungen liess sie Menschen, die vor dem Tod standen, zu Wort kommen. Sie sammelte und strukturierte die Berichte der Sterbenden. Diese würden einen Prozess in fünf Stadien durchlaufen: Leugnung, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz.
1969 erschien ihr erstes Buch "Über Tod und Sterben". Es wurde zum Standardwerk im Bereich der Sterbeforschung und -begleitung. Dem Sterben und Tod war der Schleier des Schweigens weggenommen. Man durfte über den Tod reden. Etwas, wozu uns auch der Psalmist rät: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Ps. 90,12).
Im Bereich der Sterbehilfe hat die am 8. Juli 1926 in Zürich geborene und am 24. August 2004 in Arizona verstorbene Dr. Kübler-Ross wichtige Postulate vertreten. So wandte sie sich zeitlebens gegen die aktive Sterbehilfe. In den USA baute sie Hospize auf, wo unheilbar kranke Menschen im Sterben begleitet werden. In Washington gründete sie ein Haus für todkranke Kinder. Würde und Lebensqualität sollten den Sterbenden erhalten bleiben. Geholfen wird mit Schmerztherapien und dem Eingehen auf geistige und soziale Bedürfnisse. Solche Hospize haben sich auch in Europa etabliert, allerdings in unvergleichlich geringerem Ausmass.
Die Arbeit mit Sterbenden wurde zum Lebensinhalt der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross. Eine ganze Reihe von Büchern folgte dem ersten. Zwei davon riefen heftige Kritik hervor: "Life After Death" ("Über den Tod und das Leben danach") und ein Buch zur Aidsproblematik. Darin bezeichnete sie Aids als „apokalyptische Herausforderung der Menschheit“.
Das 1992 erschienene Buch "Life After Death" markiert einen Wendepunkt in der Tätigkeit der Sterbeforscherin. Es geht weg von der Psychologie des Sterbens und der praktischen Sterbehilfe und taucht ein in eine esoterische Philosophie des Todes.
Das Buch basiert auf Interviews mit rund 20 000 (!) Menschen, die von ihren Nahtoderfahrungen berichten. Diese nicht auf ihre Realität prüfbaren Grenzerfahrungen von klinisch, aber nie biologisch Toten, sind für Kübler-Ross der Beweis, dass es den Tod gar nicht gibt! Der Tod sei nur der Übergang in eine andere Dimension, so wie der Schmetterling den Kokon verlasse. An dieser Überzeugung hielt die kleine, aber ruppig-zähe Schweizerin gegen alle Kritik fest. Ihre Überzeugung sei kein Glaube, sondern Wissen.
Nahtoderfahrungen sind bis heute umstritten. Sind es Bilderstürme im Gehirn, der Versuch, einen ungewöhnlichen Bewusstseinszustand zu verarbeiten? Sind es durch Sauerstoffmangel ausgelöste Halluzinationen? Sind es reale Bilder aus einer anderen Dimension? Hat sich die Seele für kurze Zeit vom Körper gelöst? Sind es verführerische Trugbilder, die zu falschen Schlüssen über das Leben nach dem Tod führen?
Der Herzspezialist Pim van Lommel beschrieb im medizinischen Fachblatt "The Lancet" die Befragung von 344 Patienten. Sie hatten alle einen Herzstillstand erlitten und wurden kurz nach ihrer Wiederbelebung nach ihren Erfahrungen befragt. Nur gerade 18 Prozent von ihnen berichteten die klassische Version von Tunnel, Licht und ausserkörperlicher Erfahrung. Physiologische Gründe dürften demnach für die Nahtoderlebnisse wegfallen, es sei denn, 82 Prozent der Wiederbelebten hätten ihre Erlebnisse vergessen. Auch der Kardiologe Maurice S. Rawlings stellte fest, dass sich nur rund 20 Prozent der Wiederbelebten an Nahtoderfahrungen erinnern.
Dass solche Erfahrungsberichte mit mehr Distanz und nicht als die reine Wahrheit über das Leben nach dem Tod betrachtet werden sollten, belegt auch ein Bericht in "Nature" (Bd. 419, S. 269 bis 270, 12. September 2002). Schweizer Forschern ist es gelungen, ausserkörperliche Erfahrungen bei Patienten künstlich zu provozieren und zwar durch elektrische Stimulation.
Wenig bekannt sind die Untersuchungen von Dr. Rawlings. Er schreibt, dass von den 20 Prozent derjenigen mit Nahtoderlebnissen 50 Prozent Negatives oder gar extrem Schreckliches erlebt haben. In ihren Erfahrungsberichten führt der "Tunnel" abwärts in dunkle Höllenbereiche mit Quälgeistern und gewalttätigen Wesen.
Kübler-Ross und Moody dokumentieren hingegen keine negativen Nahtoderlebnisse. Der Neurologe und Psychiater Stefan Koppi: „Mag sein, dass der Abstand zwischen dem Sterbeerlebnis und der Befragung der Betroffenen zu Vergessen oder Verdrängung beigetragen hat. Beide Fachleute arbeiteten als Psychiater und waren nicht an Reanimationen beteiligt.“ Rawlings allerdings befragte die Betroffenen unmittelbar nach einem erfolgreichen Wiederbelebungsversuch bzw. am Folgetag oder nur wenig später.
Dass der Tod die Konsequenz aus der Gottesablehnung wegen der Arroganz des Menschen ist (vgl. Röm. 5,12; 6,23) und dass die Neigung zur Sünde es für den Menschen unmöglich macht, Gott gefällig zu leben, hat Elisabeth Kübler-Ross nie akzeptiert. Sie lehrte eine der göttlichen Offenbarung widersprechende, an fernöstliche Religiosität angelehnte Form der Selbsterlösung: Sobald ein sterbender Mensch seine Aufgaben auf der Erde erledigt habe, werde das Sterben zu einem Übergang in eine geistige Lebensform.
Leben lernen heisse lieben lernen. Gebetsmühlenartig wiederholte Frau Kübler-Ross in ihren Vorträgen diesen Satz. Dabei liess sie ihre Vertrautheit mit der Reinkarnation durchschimmern: „Die Arbeit mit Sterbenden hat mir auch dazu verholfen, meine eigene Identität zu finden, zu wissen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, und zu wissen, dass wir eines Tages wiedergeboren werden, damit wir die Aufgaben erfüllen können, die wir in diesem Leben unfähig oder nicht willens waren zu erfüllen.“ Damit verliert tätige Liebe die Selbstlosigkeit. Nächstenliebe und Selbstliebe fallen zusammen.
In der Kübler-Ross-Biografie von Derek Gill erzählt sie von einer konkreten Reinkarnationserfahrung, bei der sie sich als junge Indianerin wiederzuerkennen meinte. Vor ihrem Haus mitten in der Prärie stand denn auch ein Totempfahl. Elisabeth Kübler-Ross hielt bis zum Schluss daran fest, dass Geister ihr gesagt hätten, sie sei in ihrem vergangenen Leben eine Indianerin gewesen.
„Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben“, steht im Hebräerbrief (9,27), „danach aber das Gericht.“ Angesichts des allen Menschen bevorstehenden Todes geht es vordringlich darum, das Leben aus Gott durch den Glauben an Christus zu erhalten – durch Umkehr, Vergebung und Hingabe.
Das kraft- und trostspendende Evangelium drang nicht bis zur Sterbeforscherin durch. Die Erlösung aufgrund der Gnade und des stellvertretenden Opfers von Jesus Christus am Kreuz, dieses Mit-ihm-Sterben und Mit-ihm-Auferstehen, bedeutete ihr nichts. Ihre Lehrer seien die Sterbenden gewesen, sagte sie. Wer wisse, dass er sinnvoll gelebt habe, müsse keine Angst vor dem Tod haben: „Lebe so, dass du nicht zurückschauen und mit Bedauern feststellen musst, dass du dein Leben verpasst hast.“ Die Frage stellt sich, woran man denn "verpasstes" oder "nicht verpasstes" Leben misst. Was ist "sinnvolles Leben"?
Die Schritte nach dem Tod kleidete Dr. Kübler-Ross mit dem Kokon-Schmetterling-Vergleich wieder in ein eingängiges Bild: Zuerst verlässt der Mensch seinen Körper, dann trifft er auf Engel oder Geistführer oder eine religiöse Gestalt, anschliessend durchquert er einen Tunnel oder eine Brücke und geht in Richtung eines hellen Lichtes, schliesslich wird er umgewandelt in reine geistige Energie. Auch für dieses Muster berief sie sich auf Erfahrungsberichte und Kontakte zur Geisterwelt.
Die NZZ schreibt in einem Nachruf, der Sterbeforscherin sei „ein Hang zum Esoterischen“ vorgeworfen worden. Das ist viel zu vorsichtig formuliert. Sie hatte nicht nur einen Hang dazu, Elisabeth Kübler-Ross war eine Gefangene der Geisterwelt.
Der "Stern" schreibt: „Nachdem sie mit ihrem ersten Buch rasch berühmt geworden war, verstieg sie sich immer weiter in spirituelle Erfahrungen und Berichte darüber.“
Elisabeth Kübler-Ross: „Ich habe viele wunderbare mystische Erlebnisse gehabt, vom kosmischen Bewusstsein bis zur Begegnung mit meinen geistigen Führern, obwohl ich aus einem konservativ-protestantischen, autoritären Milieu stamme, nie ein höheres Bewusstsein angestrebt habe und dieses in früheren Zeiten auch nicht verstanden hätte. (...) Ich habe die grössten Höhepunkte erlebt, ohne jemals Drogen genommen zu haben. Ich habe das Licht gesehen, das meine Patienten erblicken, wenn sie an die Schwelle des Todes kommen, und ich war umgeben von der unglaublichen, bedingungslosen Liebe, die wir alle erleben, wenn wir uns zu dem Übergang anschicken, den wir Tod nennen.“
Das wohl entscheidendste mystische Erlebnis war die Begegnung mit dem Geist einer Frau, die zehn Monate vorher gestorben und begraben worden war. Diese "Frau Schwarz" erschien ihr genau in jenem Moment, als sie sich entschieden hatte, die Arbeit rund um Sterben und Tod aufzugeben, und zwar wenige Augenblicke, bevor sie ihren Entschluss jemandem mitteilen konnte! Der Geist von "Frau Schwarz" mahnte sie, die Arbeit über Sterben und Tod nicht aufzugeben: „Ihre Arbeit ist noch nicht beendet. Wir werden Ihnen helfen. Sie werden wissen, wann Sie aufhören können. Aber bitte, hören Sie damit jetzt noch nicht auf. Versprechen Sie es mir? Ihre wirkliche Arbeit hat erst begonnen.“
Elisabeth Kübler-Ross gehorchte diesem Einflüstern. Sie nahm ihren Entschluss zurück, mehr noch, von diesem Zeitpunkt an fühlte sie sich beauftragt, der Menschheit mitzuteilen, es gebe keinen Tod.
Ann Nietzke interviewte die Sterbeforscherin im September 1977. Der Artikel "The Miracle of Kübler-Ross" erschien im Magazin "Human Behavior". Kübler-Ross hatte von einem ersten Erlebnis berichtet, das sie ausserhalb ihres Körpers führte. Das sei 1974 gewesen, als sie einmal sehr erschöpft war. Bei dieser "Out-of-Body"-Erfahrung hätten sich eine ganze Reihe von Wesen an ihr zu schaffen gemacht. Sie sei dann nach einem zweistündigen Schlaf frisch und erholt aufgewacht.
Ab 1976 trat Kübler-Ross regelmässig mit Geistwesen in Kontakt. Lennie Kronisch berichtet, wie Kübler-Ross in einer Vorlesung folgendes erwähnte: „Letzte Nacht hatte ich Besuch von Salem, meinem 'geistigen Führer', und von zwei anderen geistigen Wesen, Anka und Willie. Wir waren bis drei Uhr morgens beisammen. Wir sprachen, lachten und sangen miteinander. Sie sprachen zu mir und berührten mich mit der unglaublichsten Liebe und einer unvorstellbaren Zärtlichkeit. Dies war der Höhepunkt meines Lebens.“
Sie interpretierte diese Erfahrung als vergleichbar mit dem Moment des Todes: „Der Moment des Todes ist ein ganz befreiendes, schönes Erlebnis. Man löst sich von seinem körperlichen Körper, der vielleicht im Bett liegt. Man beobachtet seinen Körper von oben ohne Angst und ohne Schmerzen und ohne Heimweh. Sterbende haben Glücksgefühle. Sie lösen sich von ihrem Körper wie ein Schmetterling aus seinem Kokon. Der Glückszustand der Transformation vom körperlichen zum körperlosen Zustand ist unbeschreiblich schön.“
Ab 1980 sprach sie in der Öffentlichkeit von ihren Geisterbegegnungen, ihren "Schutzgeistern". Sie gab ihnen Namen: Mario, Anka, Salem, Willie. Diese würden ihr bis ins Detail sagen, was sie tun solle. „Dazu gehörte auch die Wahl ihrer Zigarettenmarke“, schreibt DPA-Journalist Helmut Räther.
„Elisabeth Kübler-Ross war überzeugt, dass sie – und andere Menschen, wenn sie es nur wollen – mystische Erfahrungen sozusagen auf Bestellung haben können“, schreibt Räther weiter. Dieses Versprechen von "Instant-Erleuchtungen" habe denn auch zahlreiche, gehetzte Grossstadtbürger angezogen und Kübler-Ross in deren Augen zur Heldin, zum Idol gemacht.
Elisabeth Kübler-Ross war überzeugt, 44 Schutzengel zu haben, mit denen sie im Geist redete. „Man spürt, dass sie da sind und spricht mit ihnen. Aber nicht über die Ohren. Man hört nur über den Geist und mit dem Herzen gut. So ist es. Das ist eine erfahrbare Realität für jeden“, sagte Dr. Kübler-Ross in einem aufschlussreichen Interview mit dem TV-Journalisten Franz Alt. Auf die Frage, ob es sich um die Geister verstorbener Menschen handelt, antwortete sie: „Nicht alle, aber die meisten. Viele sind unsere Schutzengel. Die sind immer in Kontakt mit uns.“ Selbst mit Jesus will sie in direktem Kontakt gestanden haben.
Sie vernehme die Geister und Jesus viel deutlicher als auf rein akustischem Weg. Auch Maria gehört zu ihren "Helferinnen": „Sie kam, wenn ich sie um Hilfe bat. Sie stand immer rechts von mir. Innerhalb einer Sekunde war sie da, wenn ich sie rief.“ Für die Sterbehelferin waren die Geister Realität.
Als sie gefragt wurde, wie man zu solchen Wahrnehmungen komme, sprach die Esoterikerin aus ihr: „Erst, wenn sie eine bestimmte Stufe geistiger Entwicklung erreicht haben, haben sie solche Erlebnisse. Und je mehr sie diese Stufe entwickeln, desto mehr haben sie solche Erlebnisse.“ Dass sie dem Betrug des Spiritismus aufgesessen war, liess sie nicht gelten.
Die Heilige Schrift lehrt in Bezug auf Tod und Erlösung zwei unumstössliche Linien:
1. Der Lohn für Sünde (= gottfernes, ihn und seine Ordnungen ignorierendes Leben) ist der geistliche Tod (Röm. 6,23: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod“.
2. Ewiges Leben ist das freie Geschenk, das Gott dem Sünder unverdient gibt, wenn er an seinen Sohn glaubt (Röm. 6,23; vgl. Eph. 2,8 und 9; Röm. 6,8 bis 10).
Bei aller Ernsthaftigkeit ist die biblische Botschaft immer durchdrungen von der Liebe Gottes, die sich dem Menschen zuwendet. Jesus Christus gibt dem unsichtbaren Gott ein Gesicht. Er selbst gibt sein Leben hin, indem er die dem Menschen geltende Schuld auf sich lädt. Als Folge ist der durch den Glauben ganz an Christus hingegebene Mensch befreit von der Macht der Sünde und erhält ewiges Leben.
Das Credo von Elisabeth Kübler-Ross wird von ihren Anhängern weitergetragen. Kübler-Ross ist ihre Lichtgestalt. Das "Konzept der bedingungslosen Liebe" soll weiter gefördert werden, schreibt beispielsweise die Schweizer "Arbeitsgemeinschaft Elisabeth Kübler-Ross". Früher nannten sich solche Gruppen "Shanti Nilaya".
Wie findet man zur bedingungslosen Liebe? Auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft (www.hospiz.org) werden zwei Schritte genannt:
1. Akzeptiere die volle Verantwortung für alle deine Gefühle, Gedanken, Taten und Entscheidungen.
2. Lass in einer sicheren Umgebung die negativen Emotionen los, die dich in der Vergangenheit bedrückten. So kannst du frei leben, ein glückliches Leben voll Liebe leben, in Frieden mit dir und mit den anderen.
1995 erlitt Elisabeth Kübler-Ross einen Schlaganfall. Trotz unzähliger Versuche – unter anderem mit der Hilfe von Natur- und Geistheilern – gesund zu werden, erholte sie sich nicht mehr. Nach weiteren Schlaganfällen blieb sie an den Rollstuhl gefesselt. „Warum werde ich nicht abgeholt?“ Fast neun Jahre lang musste sie sich mit dieser Frage, über die sie vorher Dutzende von Büchern geschrieben hatte, selbst auseinander setzen. Sie tat sich schwer, ihre letzten Jahre zu akzeptieren.
Wie verblendet vom Kontakt mit übersinnlichen Wesen die berühmte Schweizerin war, offenbart sie mit ihren Aussagen über Jesus, bzw. jenes Geistwesens, das sie für Jesus hielt. Kübler-Ross: „Ich habe ihn beschimpft, weil ich seit sechs Jahren gelähmt und folglich regungslos bin und zu leiden habe im Rollstuhl. Das finde ich ungerecht und sage es Jesus auch. Ich sage ihm manchmal Schimpf und Schande. Da lacht er nur – Jesus hat einen wunderbaren Humor. Der lachte sogar, als ich ihm sagte, er sei schlimmer als Hitler, weil er mich so schrecklich leiden lässt.“
Im Interview mit Franz Alt sagte sie auf die Frage, wohin der Weg nach dem Tod führe: „Den Körper lassen Sie zurück, aber das Bewusstsein bleibt und entwickelt sich weiter. Sie sehen alle Menschen wieder, denen Sie in diesem Leben nahe standen.“ Das meine sie nicht nur, das wisse sie, weil sie „oft drüben war auf der anderen Seite. Dort ist es wunderschön.“ War Elisabeth Kübler-Ross wirklich "drüben"?
Im Gespräch mit Nikodemus sagte Jesus: „Ich will dir etwas sagen: Wir reden von Dingen, die wir kennen; das, was wir bezeugen, haben wir gesehen. Wir bezeugen es, aber ihr nehmt es nicht an. Und da ihr mir nicht einmal glaubt, wenn ich über die irdischen Dinge zu euch rede, wie werdet ihr mir dann glauben können, wenn ich über die himmlischen Dinge zu euch rede? Es ist noch nie jemand in den Himmel hinaufgestiegen; der Einzige, der dort war, ist der, der aus dem Himmel herabgekommen ist – der Menschensohn“ (Joh. 3,11 bis 13). Christus ist der Einzige, der Verlässliches über Tod und Leben sagen kann.
Solange es ging, lebte Elisabeth Kübler-Ross in ihrem abgelegenen Haus in Arizona, oft tagelang alleine und mit Schmerzen. „Die Wochenenden sind am schlimmsten. Ich lebe von Wasser und Brot, weil niemand hier ist, der für mich kocht.“ Sie müsse jetzt lernen, die Langeweile zu akzeptieren. „Das ist ein beschissener Ruhestand“, sagte die geschwächte Sterbeforscherin einem "Spiegel"-Reporter, das war 1997. Die Meinung, sich selbst erlösen zu müssen, hielt sie gefangen.
Im Sommer 2001 feierte sie ihren 75. Geburtstag. In jener Zeit hatte sie bereits ihren sechsten Schlaganfall erlebt und sie äusserte den Wunsch zu sterben immer deutlicher und ungeduldiger. Damals entstand auch das aufschlussreiche Interview, das der esoterisch-denkende TV-Journalist Franz Alt mit Frau Kübler-Ross führte.
Nachdem sie im Herbst 2002 lebensgefährlich gestürzt war, musste sie ihre letzten Monate in einem Pflegeheim verbringen. In einem Brief an Freunde in der Schweiz notierte sie: „(...) ich bin auch wieder besseren Mutes und glücklich in meinem neuen Heim. Ich brauche jetzt regelmässige Pflege und, obwohl ich immer noch keine Befürworterin von Pflegeheimen bin, hat Kenneth für mich das bestmögliche gefunden ( ... )“
In einem ihrer letzten Interviews soll sie den Tod willkommen geheissen und Gott einen "verdammten Zauderer" genannt haben, der sie nicht sterben lasse. Im Zustand der Hilflosigkeit, sehnte sie sich nach dem Tod.
Viele ihrer Anhänger konnten nicht begreifen, warum ausgerechnet die mit dem Sterben so vertraute Kübler-Ross einen derart langen Leidensweg gehen musste.
Wie kalt und trostlos die Erklärung für den Sterbeprozess von Elisabeth Kübler-Ross im Kontext ihrer eigenen Lehre klingt, zeigt der Kommentar eines ihrer Schüler auf. Im Nachruf auf seine einstige Lehrerin schreibt Bernard Jakoby: „Jeder von uns muss seine eigenen unerledigten Dinge aufarbeiten – auf seine Weise.“
„Wenn ich sterbe, tanze ich auf den Galaxien“, soll Elisabeth Kübler-Ross gegen Ende ihres Lebens gesagt haben. Ein Bild, das ganz ihrer Überzeugung, doch nicht der Wahrheit entspricht. Die Bibel nennt den biologischen Tod, den "ersten" Tod. Weit folgenreicher ist der geistliche, der "zweite" Tod. Er bedeutet die unwiderrufliche Trennung von Gott, was für den Menschen die Hölle bedeutet. Während der erste Tod unausweichlich ist, ist der zweite Tod unsere Entscheidung.
Elisabeth Kübler-Ross weist grosse Verdienste im Bereich des Umgangs mit Sterbenden auf. Ihr Anliegen, herauszufinden, was Sterbende wirklich brauchen, und dann ihre Zähigkeit, mit der sie um eine bessere Betreuung für Sterbende kämpfte, verdienen grosse Anerkennung. Erst mit der Behauptung, es gebe keinen Tod und keinen strafenden Gott, folgte sie einer fatalen Irrlehre. In ihren Büchern und Seminaren verbreitete sie eine Lüge über den Tod. Angst und Schuldgefühle stellte sie nicht in einen Bezug zu Gott. Die Befreiung davon lag für sie in den Händen des Menschen selbst. Sie, die Frau mit einem enorm starken Willen, erkannte die Gnadenlosigkeit nicht, die sie mit ihrer Botschaft den Hilflosen, Schwachen und nach Erlösung lechzenden Menschen vermittelte. Sie erklärte den Tod kurzerhand für nichtexistent, doch seine Macht vermochte sie damit nicht zu brechen. Ihr eigenes, langes Warten auf den Tod war eine Gnadenzeit. Befreit vom Arbeitseifer, konnte sie sich mit sich selbst und dem eigenen Sterben auseinander setzen. Die Jahre der Einsamkeit gaben ihr die Chance, sich abzuwenden von den diffusen esoterischen Visionen und den Geistern, die sie ja doch im Stich liessen. Sie erhielt am Ende ihres Lebens noch einmal die Zeit und die Möglichkeit, sich ins Licht des Einen zu stellen, der die Macht des Todes gebrochen hat und als Erster wahrhaft aus dem Tod auferstanden ist. Die letzten Gedanken von Elisabeth Kübler-Ross kennt niemand.

Hintergrund

(rh.) Schon der alttestamentliche Prophet Jesaja sah die Überwindung des Todes im verheissenen Gottessohn: „Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen.“ (Jes. 25,8). Das Neue Testament spricht schliesslich vom Sieg: „Der Tod ist verschlungen im Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Aber der Stachel des Todes ist die Sünde; die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus“ (l. Kor. 15,54 – 57).
Die von Elisabeth Kübler-Ross ständig gesuchte bedingungslose Liebe kommt nicht von Menschen, sondern von Gott selbst: „Denn Gott hat der Welt seine Liebe dadurch gezeigt, dass er seinen einzigen Sohn 'für sie' hergab, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat und nicht verloren geht“ (Joh. 3,16).
Eigene Anstrengungen führen den Menschen nicht in den Himmel. Schuld kann nicht abgearbeitet, nur vergeben werden. Jesus Christus konnte den Schuldbrief der Menschheit tilgen (vgl. Kol. 2,14). Und der vom Tod Auferstandene sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

(Red.: Dieser Artikel wurde uns von WB-Autor Walter Vogt zugeschickt. Hier erkennen wir deutlich die kritische Haltung (fundamental)-christlicher Kreise zum Schaffen von E. K.-R. Zur Bewertung dieses Beitrags verweise ich ausdrücklich auf die Zitate von Seite 29-31. – T.F.)


(Red.: Lesen Sie auch den Kommentar von mir zu diesen Beiträgen.– T.F.)


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"Letzte Änderung dieser Seite am 10. Juni 2014"